11. August – Über Demut

Seit einigen Tagen sehe ich immer wieder eine Familie, die an meinem Lieblingsplatz ebenfalls regelmäßig ihr „Lager“ aufschlägt: Ein attraktives Elternpaar mit vier Söhnen, einer davon schwerstbehindert. Er sitzt in seinem Rollstuhl, manchmal wird er von Krämpfen geschüttelt, manchmal gibt er Laute von sich, die ich nicht deuten kann und die für mich klingen, als ersticke da jemand. Als ich das das erste Mal hörte, habe ich mich noch sehr erschrocken. Das liegt wohl daran, dass ich einfach keine Routine in solchen Dingen habe. Inzwischen gehört diese Form der Kommunikation irgendwie mit dazu.

Mein erster Gedanke war „der arme Junge“ und „die arme Familie, was für eine Belastung.“ Doch mit jedem Tag, den ich hier an meinem Lieblingsplatz verbringe, wird dieser Gedanke ein wenig schwächer. Die Familie ist ein klassisches Beispiel für „das Beste aus der Situation“ machen. Dieser Eindruck entsteht zumindest für Außenstehende. Mutter und Vater wechseln sich ständig ab, der Sohn erfährt durch alle Familienmitglieder liebevolle Zuwendung, und alle sind darauf bedacht, in jeder Situation seine Würde zu schützen. Trotz der permanenten Betreuung, die notwendig ist, erweckt diese Familie den Eindruck, dass sie insgesamt einen relativ entspannten Urlaub verlebt.

Zwischenzeitlich geht der Vater mit seinem jüngsten Sohn zum Jetski-Fahren, die beiden anderen sind auch immer irgendwo unterwegs, dann treffen sich alle wieder, und es übernimmt jemand anders die Betreuung, so dass zum Beispiel auch die Mutter einfach einmal mit ein bisschen Musik auf den Ohren ein Sonnenbad nehmen kann.

Mich beeindruckt diese Familie. Alle haben eine besondere Aufgabe zu bewältigen, und alle scheinen diese Aufgabe bravourös zu meistern – jeder auf seine Art. Bei mir stellt sich dabei auch so etwas wie Demut ein. Wie schnell nimmt man es sonst als selbstverständlich hin, dass die eigenen Kinder kerngesund sind. Wie leicht regt man sich über allen möglichen Kleinkram auf und verhält sich unentspannt. Manchmal braucht man bestimmte Erlebnisse, um seine Sicht der Dinge wieder ein wenig zu relativieren.

Am Ende bleiben dann Respekt und Dankbarkeit. In diesem Sinne schließe ich jetzt auch bewusst für heute, denn dem ist wohl kaum noch etwas hinzuzufügen. Ich wünsche einfach nur einen wundervollen Tag mit vielen Möglichkeiten, das Gute daran ganz bewusst wertzuschätzen.

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